Lärmschutzwand am Flughafen ist in die Jahre gekommen

„Die Mauer muss fallen!“ wird in Kelsterbach sicherlich niemand rufen. Dennoch: die Lärmschutzwand am Flughafen, die in den Jahren 1970 bis 1984 entstanden ist, muss wegen erheblichen Sanierungsbedarfs und wegen einer nur noch kurzen Restnutzungsdauer von maximal sieben Jahren entweder teuer saniert werden oder eben fallen, sprich abgerissen werden. Ein Abriss soll nichts verschlechtern, so die Fraport AG.
Auf einer sehr gut besuchten Informationsveranstaltung der Fraport AG im Fritz-Treutel-Haus, sie ist für die Mauer entlang des Airportringes zuständig, erklärte die, dass eine Sanierung wegen der erheblichen Kosten nicht in Frage komme. Stattdessen will der Flughafenbetreiber in Teilen eine neue Wand errichten, die nicht mehr 15 Meter hoch ist, sondern der heutigen Lärmsituation angepasst vier bis zwölf Meter hoch sein soll. Zudem soll die neue Lärmschutzwand nicht mehr eine Betonwand werden wie bisher, die den Schall stark reflektiert, sondern eine von beiden Seiten Lärm absorbierende, also Lärm schluckende Wand werden. Für die Fraport AG begründeten dies Dr. Markus Bernhard, Leiter Ausbau Süd, Mathias Brendle und Thomas Schäfer von der Flugbetriebssicherheit und dem Terminalmanagement. Vom Schalltechnischen Büro in Berlin war Stefan Becker zugegen, zudem Reinhard Ziegelmeyer von GSA (Foto), einer Firma für Schallimmissionsschutz. Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel moderierte den Abend im Fritz-Treutel-Haus.

Wand hat schon Platten verloren

Weil die Lärmschutzwand (Foto) bereits stark in die Jahre gekommen ist, musste die für die Verkehrssicherheit zuständige Fraport AG bereits einige Plattenelemente herausnehmen. Wie Dr. Bernhard von der Fraport schilderte, platzt der Beton ab, die Eisenbewährung liegt teils frei, Platten verschieben sich zudem gegeneinander. Eine Sanierung sei wegen der unverhältnismäßig hohen Kosten nicht möglich für die Fraport. Stefan Becker vom Schalltechnischen Büro in Berlin sagte, die ab 1968 entstandene Wand habe heute ihre eigentliche Funktion verloren, nämlich den Schallschutz. Es seien Gebäude entstanden, die den Schall anderes reflektierten, die Landebahn Nordwest sei hinzugekommen und der Verkehr auf dem Airportring habe heute ein anderes Aufkommen als 1970. Zudem stehe die Wand viel zu weit von den Lärmquellen weg, sodass sie kaum eine Lärm schützende Wirkung habe. Ab rund 100 Meter von der Lärmquelle verliere eine Wand ihre Schutzwirkung, bedingt durch das gekrümmte Ausbreitungsverhalten der Schallwellen. Auch die Flugzeuge, die heute zum Einsatz kommen, seien zehn bis 15 Dezibel leiser als vor Jahrzehnten. Stattdessen soll im Bereich des Flughafens, wo Triebwerksprobe-läufe stattfinden, eine fünf Meter hohe neue Schutzwand entstehen, die vor allem dem Hasen-pfad in Kelsterbach und der Dreieichstraße zwei bis drei Dezibel Akustik erspare. Insgesamt, so die Aussage der Akustiker, bringe eine Wand entlang des Airportringes heute kaum mehr als ein oder zwei Dezibel Entlastung. Trotzdem werde die Fraport einen Lärmschutz errichten, wenn auch dieser neue erheblich niedriger werden soll als bisher.

Der 1968er Vertrag

In einer sehr angeregten Diskussion auf gutem Niveau erfreulich ohne Verbalinjurien machte vor allem Anwohner Reinhold Hörner darauf aufmerksam, dass aus Sicht der Kelsterbacher ein Gesamtkonzept der Fraport für den Lärmschutz am Flughafen und speziell für Kelsterbach fehle. Hörner forderte von der Fraport eine geschlossene Halle für die Triebwerksprobeläufe, die gäbe es an anderen Flughäfen der Republik schon lange, eben nur nicht in Frankfurt. In der Nacht, so Flughafenanrainer Hörner, sei es mitunter 70 Dezibel laut, das gehe nicht. Jetzt werde die Schutzwald entfernt, Hörner verlangte eine Lärmschutzhecke, die Schall schluckt. Stattdessen werde der Wald um den Flughafen „aufgeräumt“. Auch der Kerosin gestank sei erheblich, in Kelsterbach habe eine von der Fraport in Auftrag gegebene Messung nur noch ein Siebtel der Geruchsbelastung ergeben verglichen mit einer vorherigen Messung. Da werde bei günstigen Wind- und Wetterverhältnissen gemessen und getrickst. Zudem landeten 15 Prozent der Flugzeuge auf der Landebahn Nordwest mit Schubumkehr, einem Mittel, das nur in Notfällen angewendet werden dürfe. Das belaste die Nachbarn des Flughafens enorm. Gar nicht akzeptabel sei die Tatsache, dass die Fraport Lärmmesszahlen aus dem Jahr 2010 zugrunde lege, bis heute habe sich zuviel verändert.

Bezugnehmend auf den 1968er Vertrag zwischen Stadt und Flughafen sagte Bürgermeister Manfred Ockel, die damals zugrunde gelegten Lärmobergrenzen würden heute nicht mehr annähernd erreicht. Ockel monierte, dass in der Planfeststellung der Landesbahn Nordwest die Tiere besser geschützt seien als die Menschen. Die Stadt Kelsterbach aber sei in der Pflicht, ihre Auflagen aus der Planfeststellung zu erfüllen. Die Brücke von der Landesbahn Nordwest zum Flughafengelände werde durch die Lärmschutzwand nicht beeinflusst, wohl aber machten die Wetterverhältnisse für Kelsterbach erhebliche Unterschiede im Lärm aus. Kelsterbach habe Lärmprobleme durch den Flughafen, die Kelsterbacher seien beeinträchtigt, so Ockel. (hb)

 

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