Kurt Linnert:
„Die Jubiläumsfeierlichkeiten 2009 sollen unvergesslich werden“

Der Präsident des Kelsterbacher Verschwisterungskomitees Baugé/Kelsterbach, Kurt Linnert, beantwortete Fragen rund um die Städtepartnerschaft.


Im Jahre 1979 wurde die Städtepartnerschaft gegründet, welche Erinnerung an diesen besonderen Anlass sind haften geblieben?
Ich selber kam im Jahre 1982 aus beruflicher Veranlassung nach Kelsterbach, also drei Jahre nachdem der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet wurde. Lange bevor über eine Städtepartnerschaft überhaupt nachgedacht werden konnte, haben die Volkshochschulen von Kelsterbach und Paris gemeinsame Treffen organisiert, die in einem Schloss bei Baugé abgehalten wurden. Es war zudem geplant, dass Baugé eine Partnerschaft mit Mörfelden-Walldorf eingehen wollte. Erst als unsere Nachbarn „abgesprungen“ sind, kam es zu einer Zusammenkunft mit unserer Stadt.

Wie kam es zu der Partnerschaft und warum gerade Baugé, eine nicht gerade grenznahe Stadt?
Die vorgenannten Aktivitäten der Volkshochschulen, die Treffen in Baugé als Vorläufer schlossen eine „grenznahe“ Freundschaft somit aus.

Wer waren aus Ihrer Sicht die Architekten der Jumelage?
Bernhard Wiegand als Leiter der Kelsterbacher Delegation, der ehemalige Stadtrat Friedrich Schmuck, Herbert Bunz als Vorsitzender des Gewerbevereins, Driss Mameri, Vorsitzender des Gewerbevereins, Yves Ecuyer vom  Vereinsring in Baugé und Stadtrat Gerard Chevalier auf französischer Seite, die Oberamtsräte a. D. Heinrich Hoffmann und Wilhelm Laun sowie die „Übersetzerin vom Dienst“ Helga Oehne als Frau der ersten Stunde.

Sie selber sind Präsident des Verschwisterungskomitees, welche Schwerpunkte setzen Sie in diese Aufgabe?
Ich sehe mich als Bindglied zwischen städtischer Politik, den Vereinen und dem Gegenpart in Frankreich. Über die repräsentativen Aufgaben hinaus fokussieren sich meine Tätigkeiten vor allem darauf, Probleme, die von beiden Seiten aufgegriffen werden, aufzunehmen und deren Bewältigung umzusetzen. Beispiele dafür sind die unterschiedliche Finanzsituation beider Städte oder auch die Unterbringung von Gästen bei den Begegnungen. Weiterhin geht es darum, gewachsene Werte aufrecht zu erhalten und weiter voranzutreiben.

Vor uns liegen die großen Jubiläumsfeierlichkeiten, was ist seitens der Stadt diesmal geplant?
Ich reiste mit Helga Oehne, Bürgermeister Manfred Ockel und Oberamtsrat Karl-Heinz Wagner kürzlich zu Konsultationsgeprächen in die Partnerstadt. Noch nie war die Beteiligung zu diesem Anlass von französischer Seite derart groß, was auf ein mehr als erfreuliches Gesamtinteresse schließen lässt. Geplant ist eine große Feier am Freitagabend, welche fast übergangslos in das Straßenfest mündet, das unter dem Motto „Frankreich zu Gast in Kelsterbach“, eine Hommage an die Partner und Gäste aus dem Nachbarland, steht.

Französisch ist in Deutschland kein Pflichtfach, ebenso wie Deutsch in Frankreich, warum gibt es so viele tiefe Freundschaften trotz der augenscheinlichen Sprachbarriere?
Der Konsens aus langjähriger Freundschaft springt als Funke der Herzlichkeit sichtlich auf die nachfolgenden Generationen oder die Jumelage-Neulinge über. Wenn Englisch als Alternative nicht greift, wird sich mit Händen, Füssen und Gebärden verständigt, wichtige Abstimmungen werden zurückgestellt - und „wenn nichts mehr geht kommt Helga“.-  (gemeint ist Helga Oehne)


Interview:
  Thorsten Schreiner
Foto oben:  Jubiläumsfeierlichkeiten 1999/2000 - waren von Harmonie u. Ehrungen geprägt