30 Jahre gelebte Freundschaft fanden in Baugé weiteren Höhepunkt
13. - 16. Mai 2010

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Nachdem vor knapp einem Jahr in Kelsterbach die Feierlichkeiten anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Baugé/Kelsterbach veranstaltet wurden, luden die französischen Freunde zur Rückverschwisterung ein.

Angeführt von Bürgermeister Manfred Ockel und seinem Vertreter, dem Ersten Stadtrat Kurt Linnert, traten fast zweihundert Kelsterbacher die über 800 Kilometer weite Reise an. Groß war die Freude, als die deutschen Busse am Treffpunkt vorfuhren. Eine schier endlose Reihe von herzlichen Begrüßungen ging dem offiziellen Teil voraus. In einer kurzerhand umfunktionierten Tennishalle fanden alle einen Sitzplatz und durften sich nach der langen Fahrt ein wenig stärken. Wo sich sonst die Freunde des weißen Sports tummelten, war ein reichhaltiges Büfett aufgebaut, welches von hungrigen Gästen mit Freude angenommen wurde.

Die Bürgermeister beider Städte Philipp Chalopin und Manfred Ockel richteten kurz das Wort an die Gäste und gaben einen Ausblick auf die offiziellen Termine. Obwohl bis zum bevorstehenden Festabend die Zeit reichlich knapp war, wurde doch die Gelegenheit wahrgenommen, innerhalb der Gastfamilien einige Eindrücke zu sammeln. Der Abend gehörte dann der Gesamtheit, als im Centre René d‘Anjou die große Verschwisterungsfeier eröffnet wurde. Vertreter aus Politik, Vereinsleben und viele Freunde begingen gemeinsam einen ganz besonderen Abend. Ansprachen und musikalische Darbietungen im Wechsel bestimmten den Verlauf genauso wie ein schmackhaftes Mehrkomponenten-Menü. Helga Oehne und ihr französischer Dolmetscher-Kollege erledigten mit ihrem Sprachtalent eine Herkulesaufgabe bravourös.

undefinedWährend auf einer Leinwand eine zu jedem Beitrag passende Bildfolge die Gäste erfreute, eröffnete die Präsidentin des Partnerschaftskomitees ,Marie-Odile Bouletreau, den Reigen der Ansprachen. Sie blickte auf die Anfänge der Freundschaft, das Jahr 1976, zurück, wo erste Kontakte geknüpft wurden. Im Jahre 1979 kam es dann zur offiziellen Verschwisterung, bei der die damaligen Bürgermeister Adolphe Sirodeau und Friedrich Treutel ihre Unterschriften unter die Urkunde setzten. Die Präsidentin dankte auch den vielen Übersetzern, die über all die Jahre die Sprachbarrieren überwanden.

Der Erste Stadtrat Kurt Linnert, der seit langem als Vorsitzender des Verschwisterungskomitees fungiert, eröffnete seine Ansprache mit einem Zitat, welches treffender nicht sein könnte:" Wo befreundete Wege zusammen laufen, sieht die ganze Welt für eine Stunde wie Heimat aus", so Linnert. "Es sind viele Stunden und wir fühlen uns hier zu Hause", fügte Linnert erweiternd hinzu. Bürgermeister Philippe Chalopin bezeichnete die Partnerschaft als eine lange und schöne Geschichte zweier unterschiedlicher Städte, die über die Jahre eng zusammengewachsen seien. Große Anerkennung zollte der Bürgermeister den Vorgängern im Amt, deren Willensstärke ausschlaggebend für den Erfolg der Partnerschaft gewesen sei. Sein Pendant Manfred Ockel freute sich besonders über die große Resonanz an diesem Wochenende, welches wohl noch weitere neue Freundschaften hervorbringe. Er dankte im Namen aller Gäste der Freundschaftsreise für die Ausgestaltung der Feierlichkeiten und die besondere Gastfreundschaft. Für die Zukunft merkte Ockel an, dass Freundschaft nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine dauerhafte Aufgabe sei. Ein langer Festabend, der durch viele Ehrungen gekrönt wurde, fand einen besonderen Abschluss im gemeinsamen Auftritt des Choral Baugissimo und dem Kelsterbacher Volkschor.

undefinedDer darauffolgende Samstag nahm seinen Anfang im Sinne der Erinnerung. In einer langen Freundschaft gibt es leider nicht nur Anlass zur Freude, sondern auch zu Trauer. Dieser Pflicht folgend, versammelten sich sämtliche Vertreter beider Delegationen auf dem Friedhof um den Verstorbenen mit Blumen und Kränzen zu gedenken. Eine weitere Kranzniederlegung wurde sodann am Fuße des Kriegerdenkmals im Stadtzentrum vorgenommen. Ehrenwachen der Feuerwehren von Baugé und Kelsterbach fügten sich in die Ehrenfeierlichkeiten ein. Bürgermeister Philipp Chalopin und Stadtverordnetenvorsteher Wilfried Harth, blickten auf Zeiten des Krieges zurück, welcher die beiden Länder entzweite. Übereinstimmend wurde sich gegen ein Vergessen ausgesprochen, aber gleichermaßen ging der Blick auch in eine gemeinsame Zukunft in einem vereinten Europa. Dafür steht auch die Eröffnung des Kelsterbach-Kreisels, der genau wie sein Partnerrondell der Baugé-Kreisel anlässlich des Freundschaftsjubiläums seiner Bestimmung übergeben wurde. Ein sonniger Samstag animierte daraufhin, Baugé noch besser kennen zu lernen. Ein Einkauf beim Vollsortimenter Super U bot sich genau so an, wie ein Bummel durch die schöne Stadtmitte, deren Charme sich in französischer Vielfalt widerspiegelt.

undefinedLandestypische Bäckereien machten Appetit auf mehr, was auch für Weinkontore und Cafés galt. Der Nachmittag begann mit stimmungsvollen Tanzvorführungen und sogar deutschen Schlagern. Am "Place du Kelsterbach" bestand die Möglichkeit beim Straßenfest mitzusingen oder mitzutanzen. Nachdem die Gäste reichhaltig mit französischen Köstlichkeiten verwöhnt wurden, sorgte die Stadt Kelsterbach für das Angebot deutscher Spezialitäten, die auch bei französischen Gourmets großen Anklang fanden. Ein Team der Stadt Kelsterbach gesellte sich mit einem Stand zu dem Pavillon des hiesigen Tourismusbüros und erfreute mit Frankfurter Rindswürsten und frischgezapftem Bier Augen und Gaumen. Die fast tausendjährige Stadt Baugé lud beim mittelalterlichen Abend zu einer Reise in die Vergangenheit ein. Eine Vielzahl historischer Kostüme, die originell und stilvoll einen Streifzug durch die Jahrhunderte präsentierten, ließ die Vertreter beider Städte in historischer Würde erscheinen. Nach dem gemeinsamen Frühstück am Sonntagmorgen, fand ein Wochenende seinen Ausklang, welcher sich durch alte und neue Freundschaften auszeichnete und für alle Beteiligten sicherlich als unvergesslich eingestuft wird.(Ts)


Ehrungen in Baugé

Seitens der Stadt Baugé wurden besondere Leistungen von Kelsterbacher Verantwortlichen gewürdigt, die sich um die Partnerschaft verdient gemacht haben.

undefinedMit der bronzenen Urkunde wurden ausgezeichnet: Manfred Ockel, Barbara Jühe, Uschi Hornig, Simone Klingelhöfer, Nicole Gotta, Frank Niedermann, Thomas Heller, Andreas Rapp, Jürgen Pawlik, Wilfried Harth, Gerhard Zibulak und Karl Gesang.

Die silberne Urkunde erhielten: Annerose Pohling-Storck, Hedwig de Moulin, Ulrike Schmidt, Wolfgang Helmerich, Alfred Harnischfeger und Karl-Heinz Wagner.

Die Würdigung mit der goldenen Urkunde ging an: Bernhard Wiegand, Kurt Linnert, Arno Rüdiger Peik, Heinrich Hoffmann, Wilhelm Laun, Herbert Bunz, Helga Oehne und Erhard Engisch. Zudem wurden der Volkschor, die Anglerfreunde sowie die Feuerwehr in Gesamtheit für ihr Engagement geehrt. (Ts)